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Aufbruch in eine neue Lernkultur

Future Skills in der Bildungspraxis

Das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) bringt regelmäßig in seinen Studien und Projekten die ver­schiedenen Perspektiven aus Forschung und Praxis zusammen. Denn obwohl Future Skills in aller Munde sind und bereits konzeptionelle Rahmen vor allem im Hochschulbereich bestehen, steckt die praktische Umsetzung in den verschiedenen Bildungsbereichen noch in den Kinderschuhen. Ein Blick in die Bildungspraxis zeigt, was das „Phänomen Future Skills“ ausmacht, welche Herausforderungen ihre Vermittlung in der beruflichen Bildung mit sich bringen, welche Rolle Lehrkräfte und be­triebliche Ausbilder*innen spielen und wie Unternehmen sowie die Weiter­bildungsinitiator*innen die Entwicklung dieser Kompetenzen nachhaltig unterstützen können.

Was sind Future Skills?

Future Skills sind nicht einfach nur neue Fertigkeiten für neue Technologien. Es handelt sich um ein Set aus sozialen, kreativen und technologischen Kompetenzen, die branchenübergreifend an Bedeutung gewinnen. Das im deutschsprachigen Raum verbreitete Future-­Skills-Framework des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft unterscheidet vier Kategorien: technolo­gische Kompetenzen, digitale Schlüsselkompetenzen, klassische Kompetenzen sowie transformative Kompetenzen (Stifterverband & McKinsey, 2021). Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht in einzelnen Fächern oder Berufen verortet sind, sondern übergreifend wirken und die Anpassungsfähigkeit in ungewissen Situationen stärken.

Die Anforderungen an Arbeit und Gesellschaft verändern sich dabei nicht linear, sondern in Sprüngen. Mega­trends wie die digitale Transformation, der Klimawandel oder der Umgang mit Desinformation sorgen für neue, komplexe Problemlagen, die schnelles, kreatives und kollaboratives Handeln erfordern. Future Skills sind damit keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit für individuelle Teilhabe und wirt­schaftliche Innovationskraft.

Future Skills lassen sich nicht im klassischen Frontal­unterricht vermitteln. Sie erfordern praxis- und handlungs­orientierte Lernformate, die Blended Learning, Flipped Classrooms oder projektbasiertes Arbeiten miteinander verzahnen.“

Berufliche Bildung im Wandel

Gerade in der beruflichen Bildung zeigt sich der steigende Bedarf an Future Skills besonders deutlich. Zwar hat die Automatisierung in den letzten 25 Jahren stark an Bedeutung gewonnen, doch dabei ist häufig in den Hintergrund geraten, welche Fähigkeiten Menschen benötigen, um Technologien nicht nur anzuwenden, sondern auch aktiv zu gestalten. Gefordert ist daher eine neue Balance: Einerseits braucht es ein fundiertes technisches Know-how im Umgang mit modernen Technologien, andererseits sind ausgeprägte soziale und personale Kompetenzen wie Kreativität, Kritik­fähigkeit, Kommunikationsstärke sowie die Fähigkeit zum eigenständigen Lernen und Weiterentwickeln unverzichtbar.

Dabei gilt: Future Skills lassen sich nicht im klassischen Frontalunterricht vermitteln. Sie erfordern praxis- und handlungsorientierte Lernformate, die Blended Learning, Flipped Classrooms oder projektbasiertes Arbeiten mit­einander verzahnen. Formate wie Hacka­thons oder der Einsatz von Augmented und Virtual Reality bieten viel Potenzial, wenn sie von überzeugten und kom­petenten Ausbildungs- und Lehrkräften begleitet werden. Doch genau hier liegt eine der größten Herausforderungen: Für die Umsetzung braucht es notwendige methodische und digitale Kom­petenzen.

Lehrende als Schlüsselakteure der Future Skills

In der beruflichen Orientierung junger Menschen zeigt sich ein zwiespältiges Bild: Zwar sind Jugendliche im Alltag digital unterwegs, doch echte Digitalkompetenz ist das noch lange nicht. Sie müssen ermutigt werden, Fragen zu stellen, Informationen kritisch zu hinterfragen und Verant­wortung für ihren Lernprozess zu übernehmen.

Berufsschullehrer*innen und Ausbilder*innen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie benötigen passende Konzepte und Materialien, um diese Kompetenzen zu fördern. Unterrichtskonzepte zum Thema Desinformation können hierbei unterstützend wirken.

Die Entwicklung von Future Skills ist eine Gemeinschaftsaufgabe: Lehrkräfte, Ausbilder*innen und Weiterbildungsakteure gestalten gemeinsam die Lernkultur von morgen.

(Quelle: metamorworks — stock.adobe.com)

Die Entwicklung von Future Skills ist eine Gemeinschaftsaufgabe: Lehrkräfte, Ausbilder*innen und Weiterbildungsakteure gestalten gemeinsam die Lernkultur von morgen.

Kontinuierliche Weiterbildung als Erfolgsfaktor

Damit Future Skills erfolgreich vermittelt werden können, müssen Lehrende und Ausbilder*innen selbst kontinuierlich lernen und ihre Kompetenzen weiterentwickeln. Fortbildungen sind daher ein zentraler Erfolgsfaktor. Netzwerke, Austauschformate und Qualifizierungsangebote fördern sowohl die Haltung als auch das Handwerkszeug, das erforderlich ist, um Future Skills fundiert zu vermitteln.

Dies gilt insbesondere für die rund 630.000 Ausbilder*innen in Deutschland. Der Ausbilderschein wird in der Regel einmal erworben und gilt ein Leben lang, doch das Tempo des Wandels erfordert kontinuierliche Weiter­bildung. Die Mehrheit verfügt zwar über hohe Fach- und Ausbildungskompetenz, doch um Future Skills zu stärken, sind förderliche Rahmenbedingungen entscheidend: Zeit, Finanzierung und institutionelle Unterstützung.

Durch die zunehmende Digitalisierung von Bildungsprozessen verändert sich die Rolle der Lehrenden — sowohl in Schule als auch im Betrieb — von reinen Wissensvermittler*innen hin zu Lern­begleiter*innen, die individuelle Lern­prozesse moderieren, reflektieren und kontinuierlich weiterentwickeln. Dafür braucht es neben digitalen Kom­petenzen auch eine veränderte Haltung zum Lehren und Lernen sowie passende strukturelle Rahmenbedingungen.

Generation 50plus — Fachkräftepotenzial oder Vorruhestand?

Angesichts des Fachkräftemangels darf eine Generation nicht vergessen werden: die Beschäftigten der Genera­tion 50plus. Sie machen rund ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland aus. Sie bringen enorme Erfahrungswerte mit, werden aber oft als digital abgehängt betrachtet und seltener bei der Weiterbildung berücksichtigt. Doch statt sie zu verlieren, sollten sie gezielt eingebunden werden. Es geht darum, Technologien nicht nur zu verstehen, sondern auch anzuwenden. So können sie als wichtige Wissens- und Erfahrungsträger im Transformationsprozess wirken.

Future Skills sind nicht einfach nur neue Fertigkeiten für neue Technologien. ­­Es ­handelt sich um ein Set aus sozialen, ­kreativen und technologischen Kompetenzen, die branchenübergreifend an Bedeutung gewinnen.“

Perspektiven für die Weiterbildungs­beratung

Die Bereitschaft zur Weiterbildung im Bereich Future Skills ist in vielen Bevölkerungsgruppen vorhanden. Doch oft fehlt das Bewusstsein dafür, welche Kompetenzen konkret gebraucht werden — heute und in Zukunft. Unternehmen und Mitarbeitende nehmen den Weiterbildungsbedarf dabei häufig unterschiedlich wahr. Während Betriebe stärker auf strategische Anforderungen und Wettbewerbsfähigkeit blicken, orientieren sich Beschäftigte eher an ihrer aktuellen Tätigkeit oder persönlichen Interessen. Was fehlt, ist oft eine unabhängige Instanz, die Orientierung bietet und beide Perspektiven zusammenführt.

Ein innovativer Ansatz sind die sogenannten Weiterbildungsinitiator*­innen, ein Modell aus Bayern. Sie agieren an der Schnittstelle zwischen Betrieben, Beschäftigten und Bildungsanbietern. Ihre Aufgabe ist es, Weiterbildungsbedarfe zu identifizieren, individuell und betrieblich zu beraten und Qualifizierungsprozesse aktiv zu begleiten. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die keine eigene Personalentwicklungsabteilung haben, können sie eine wertvolle Unter­stützung sein. Noch ist das Konzept regional begrenzt — doch es zeigt bei­spielhaft, wie gezielte Beratung zur Stärkung von Future Skills beitragen kann.

Um Future Skills zu fördern, braucht es auf Seiten der Unternehmen ein Umdenken. Auch hier wirken die Weiterbildungsinitiator*innen: Sie tragen dazu bei, dass sich Unternehmen stärker als Lernorte begreifen, in denen kontinuierliche Weiterbildung ein selbstverständlicher Teil der Unter­nehmenskultur ist. Gerade KMU können von einer solchen Haltung besonders profitieren — nicht nur, um Fachkräfte zu sichern, sondern auch, um im Wandel wettbewerbsfähig zu bleiben.

Fazit: Future Skills als gemeinsame Aufgabe

Der Blick in die Bildungspraxis hat gezeigt, dass Future Skills kein Add-on für einzelne Branchen oder Zielgruppen sind. Sie sind die Grundlage für eine zukunftsfähige Gesellschaft und Wirtschaft. Die Entwicklung dieser Kompetenzen ist eine Gemeinschaftsaufgabe: von Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Weiterbildungsakteuren, politischen Entscheidungsträger*innen — und nicht zuletzt von den Menschen selbst.

Dazu braucht es passende Rahmenbedingungen: Lehrkräfte und Aus­bilder*innen müssen gezielt qualifiziert und begleitet werden. Junge Menschen müssen ermutigt werden, Verantwortung für ihren Lernprozess zu über­nehmen. Und auch erfahrene Beschäftigte sollten in den digitalen Wandel aktiv eingebunden werden.

Zugleich zeigt sich: Weiterbildung darf nicht dem Zufall überlassen werden. Initiativen wie die Weiter­bildungsinitiator*innen oder die bundesweit agierenden Weiterbildungsmentor*innen können wichtige Impulse geben — insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Entscheidend ist, dass Bildung und Weiterbildung als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden werden: von Politik, Wirtschaft, Bildungsinstitutionen — und jedem Einzelnen. Nur so gelingt der Aufbruch in eine neue Lernkultur, in der Future Skills nicht Ausnahme, sondern gelebter Alltag sind.

Weitere Informationen finden ­Sie hier:

Bei „Komm weiter in B@yern“ — dem zentralen Weiterbildungsportal in Bayern:
www.kommweiter.bayern.de/

Die Website der Koordinations­stelle der Weiterbildungs­initiatorinnen und Weiter­bildungs­initiatoren in Bayern finden Sie hier:
www.weiterbildung-initiieren-­bayern.de/

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